Archiv für 16. Oktober 2013

Gift im Lederschuh – die Folgen des Billig-Leder Wahns

Irgendwie hat alles seinen Preis. Entweder an der Kasse oder den Preis der angegriffenen Gesundheit. Ein Paar echte Lederschuhe für 20 Euro – ist das überhaupt machbar?

An diesen 20 Euro wollen auch noch alle Beteiligten verdienen

Die Arbeit in den Gerbereien in Bangladesch hat erschreckende Formen angenommen. Da waten nackte Beine durch giftige Flüssigkeiten aus Chrom, krebserregenden Substanzen, Säuren und Laugen. Das und mehr geschieht, weil die Produkte daraus ihren Markt haben. Auch Menschen in Deutschland suchen diese superbilligen Produkte aus Echtleder. Wenn man den Branchenkennern glauben darf, sind Berichte und Reportagen dieser Art eher untertrieben als reißerisch. Für die Arbeiter ist diese Tätigkeit nicht nur symbolisch pures Gift. Die Alternative dazu ist das schlichte Verhungern.

Die Arbeiter haben meist keine Wahl

Natürlich versuchen die Vereinten Nationen und andere Organisationen dort andere, gesundere Technologien zu etablieren. Die dortigen Unternehmen wehren sich aber dagegen, weil die zahlende Kundschaft – hauptsächlich Deutschland und Australien – nicht bereit ist, mehr Geld für diese Schuhe auszugeben. So setzen sich die Arbeiter weiter für einen Euro als Tageslohn dieser giftigen Lebensgefahr aus. Aber damit ist es vor Ort leider noch nicht getan. Diese giftige Chemie wird 1:1 in den nahegelegenen Fluss eingeleitet, der zu stinkenden Brühe verkommt, in der kein Leben mehr sein kann. Auch die heiligen Kühe, deren Haut hier verarbeitet wird, leiden unvorstellbar, ehe ihre Haut zur weiteren Verarbeitung bereit ist.

Und warum das Ganze?

Um Tierhaut haltbar machen zu können, ist Chrom eine notwendige Chemikalie. Das allein wäre noch gar nicht so gefährlich. In Gerbereien kann daraus aber das gefährliche Chrom VI entstehen, das bei Hautkontakt Allergien auslösen kann. Durch das Einatmen kann es sogar Krebs erregen. Die Arbeiter wissen aber nichts von diesen Gefahren. Wer sich weigert oder störrisch wird, der kann gehen …

Chrom-VI in den Verkaufsregalen von Deichmann-Sandalen und Rossmann-Babyschuhen

 

Bei all diesen Missständen leben aber nicht nur die Arbeiter in Gefahr. So klebte zum Beispiel an den Rossmann-Kassen Zetteln ein Warnhinweis für die ledernden Krabbelschuhe „babylove“ mit Bienen-Stickerei. Ob dieser Warnhinweis allerdings wahrgenommen und ernst genommen wird, ist unklar. Einige der Chemikalien, die in den Lederprodukten verbleiben und auch in Schuhen noch nachwirken, stehen unter dem dringenden Verdacht Krebs zu verursachen.